Die Gesundheitsbranche boomt. Mit einer alternden Gesellschaft steigt der Bedarf an qualifiziertem Pflegepersonal rapide an. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) fehlen bis 2035 in Deutschland über 300.000 Pflegekräfte. Gleichzeitig sehnen sich viele Menschen nach einem sinnstiftenden Beruf, der nicht nur sicher, sondern auch gesellschaftlich wertvoll ist.
Der Quereinstieg in die Pflege bietet genau das: eine stabile Perspektive, die Chance, direkt mit Menschen zu arbeiten, und die Möglichkeit, sich stetig weiterzuentwickeln. Doch wie gelingt der Wechsel? Welche Qualifikationen sind erforderlich? Und welche Herausforderungen warten auf Umsteiger? Dieser Beitrag zeigt den Weg in eine zukunftssichere und erfüllende Tätigkeit.
Was Quereinsteiger mitbringen sollten
Nicht jeder eignet sich für den Pflegeberuf. Neben einer grundsätzlichen sozialen Ader sind einige persönliche Fähigkeiten besonders wichtig:
- Empathie: Der Umgang mit kranken oder pflegebedürftigen Menschen erfordert Fingerspitzengefühl.
- Belastbarkeit: Pflege ist körperlich und emotional fordernd – Schichtarbeit und Notfälle gehören dazu.
- Teamfähigkeit: In der Pflege arbeitet man eng mit Ärzten, Therapeuten und Angehörigen zusammen.
- Lernbereitschaft: Medizinische Grundkenntnisse, Hygienevorschriften und rechtliche Aspekte müssen verstanden werden.
Viele dieser Kompetenzen bringen Quereinsteiger aus anderen Berufen bereits mit – sei es aus dem sozialen Bereich, der Gastronomie oder dem Einzelhandel.
Der Weg in die Pflege: So funktioniert der Quereinstieg
1. Direkter Einstieg als Pflegehilfskraft
Wer ohne Vorerfahrung möglichst schnell in den Pflegeberuf starten möchte, kann sich direkt als Pflegehilfskraft bewerben. Viele Pflegeeinrichtungen stellen Quereinsteiger ein und qualifizieren sie intern durch Schulungen. Dies ist eine gute Möglichkeit, um erste Erfahrungen zu sammeln.
2. Pflegehelfer Ausbildung (1 Jahr, selten 2 Jahre)
Eine formale Qualifikation erhöht die Jobchancen erheblich. Die einjährige Ausbildung kombiniert theoretischen Unterricht mit praktischen Einsätzen. Je nach Bundesland gibt es unterschiedliche Regelungen, oft wird aber ein Hauptschulabschluss und ein Gesundheitszeugnis verlangt.
3. Umschulung oder Weiterbildung über das Jobcenter
Wer arbeitslos ist oder sich beruflich neu orientieren will, kann sich über eine Umschulung oder geförderte Weiterbildungen informieren. Das Jobcenter oder die Agentur für Arbeit übernimmt in vielen Fällen die Kosten.
4. Weiterbildung zur Pflegefachkraft
Für Quereinsteiger mit langfristigen Karriereplänen gibt es die Möglichkeit, später eine dreijährige Pflegefachkraft-Ausbildung zu absolvieren. Dadurch steigt das Gehalt, und die Einsatzmöglichkeiten erweitern sich erheblich.
Checkliste: So gelingt der Wechsel in die Pflege
✅ To-Do | Wichtige Hinweise |
---|---|
Informationen einholen | Beratung beim Jobcenter oder der Pflegekammer |
Praktikum absolvieren | Testen, ob der Beruf wirklich passt |
Ausbildung oder Umschulung wählen | Fördermöglichkeiten prüfen |
Bewerbung schreiben | Lebenslauf auf soziale Kompetenzen ausrichten |
Erste Berufserfahrung sammeln | Direkteinstieg als Pflegehilfskraft möglich |
Fortbildungsmöglichkeiten nutzen | Chancen auf bessere Stellen erhöhen |
Finanzierung und Fördermöglichkeiten
Für viele Quereinsteiger stellt sich die Frage: Wie finanziere ich meinen beruflichen Wechsel? Hier gibt es mehrere Optionen:
- Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit (für Umschulungen und Weiterbildungen)
- Bafög oder Aufstiegs-Bafög (je nach Art der Ausbildung)
- WeGebAU-Förderung (besonders für Arbeitnehmer, die sich weiterqualifizieren möchten)
- Arbeitgeberförderung (einige Pflegeeinrichtungen übernehmen die Ausbildungskosten)
Gehalt & Perspektiven: Lohnt sich der Wechsel?
Das Gehalt in der Pflege variiert je nach Region, Qualifikation und Einrichtung. Ein grober Überblick:
- Pflegehilfskraft (ungelernt): ca. 2.000 – 2.400 € brutto
- Mit Pflegehelfer Ausbildung: ca. 2.300 – 2.800 € brutto
- Pflegefachkraft (nach Weiterbildung): ca. 3.000 – 3.500 € brutto
Mit einer Ausbildung als Pflegehelfer eröffnen sich gute Jobchancen, ein sichereres Gehalt und die Möglichkeit, später zur Pflegefachkraft aufzusteigen.
Langfristig gibt es gute Aufstiegschancen – etwa durch Weiterbildungen zum Wundmanager, Altenpfleger oder Fachkraft für Intensivpflege.
Psychische Belastung: Was Quereinsteiger wissen sollten
Der Pflegeberuf ist nicht nur körperlich, sondern auch emotional anspruchsvoll. Viele Quereinsteiger unterschätzen die psychische Belastung, die durch den Kontakt mit schwerkranken oder sterbenden Menschen entstehen kann. Studien zeigen, dass Pflegekräfte ein erhöhtes Risiko für Burnout und emotionale Erschöpfung haben.
Um dem vorzubeugen, helfen folgende Strategien:
- Mentale Resilienz aufbauen: Achtsamkeitstraining oder Entspannungstechniken wie Meditation können helfen.
- Austausch mit Kollegen: Wer über belastende Situationen spricht, kann sie besser verarbeiten.
- Klare Grenzen setzen: Emotionale Distanz ist wichtig, um nicht ständig private Sorgen mit in den Beruf zu nehmen.
Pflegeeinrichtungen bieten zunehmend Supervisionen und psychologische Unterstützung an – ein Angebot, das Quereinsteiger unbedingt nutzen sollten.
Digitale Technologien in der Pflege: Die Zukunft mitgestalten
Die Pflegebranche befindet sich im Wandel. Moderne Technologien wie elektronische Pflegedokumentation, intelligente Sensoren und Pflege-Roboter verändern den Arbeitsalltag. Wer heute in die Pflege einsteigt, sollte sich auch mit digitalen Tools auseinandersetzen.
Besonders für Quereinsteiger mit Vorerfahrung in technischen oder kaufmännischen Berufen eröffnen sich hier neue Chancen. Digitale Pflegeassistenten, die Medikamentenvergabe oder Bewegungsmuster überwachen, reduzieren körperliche Belastung und ermöglichen effizientere Arbeitsabläufe.
Die Kombination aus sozialer Kompetenz und technologischem Verständnis wird künftig immer gefragter – ein spannendes Feld für alle, die sich weiterentwickeln möchten.
Ist der Pflegeberuf das Richtige für dich? – Mach den Test!
Viele denken über einen Quereinstieg in die Pflege nach, sind sich aber unsicher, ob der Beruf wirklich zu ihnen passt. Beantworte die folgenden Fragen ehrlich – am Ende erhältst du eine erste Einschätzung!
Beantworte die Fragen mit „Ja“ oder „Nein“:
- Ich arbeite gerne mit Menschen und habe keine Berührungsängste.
- Körperliche Nähe (z. B. beim Waschen oder Umlagern von Patienten) macht mir nichts aus.
- Ich kann auch in stressigen Situationen ruhig bleiben.
- Schichtdienst und Wochenendarbeit wären für mich machbar.
- Ich kann mir vorstellen, auch mit schweren Schicksalen und emotionalen Momenten umzugehen.
- Medizinische Themen interessieren mich.
- Ich bin körperlich belastbar und kann mir vorstellen, mehrere Stunden auf den Beinen zu sein.
- Teamarbeit ist mir wichtig – ich arbeite gerne mit Kollegen zusammen.
- Ich sehe mich in einem Beruf mit Zukunft und guten Weiterbildungsmöglichkeiten.
- Ich kann mir vorstellen, auch mal unter Zeitdruck effizient zu arbeiten.
Auswertung:
- 8–10 Mal „Ja“: Perfekt! Der Pflegeberuf scheint sehr gut zu dir zu passen. Ein Quereinstieg könnte eine großartige Entscheidung sein.
- 5–7 Mal „Ja“: Es gibt einige Herausforderungen, aber mit der richtigen Motivation könnte die Pflegebranche für dich eine Option sein. Überlege dir, ob du ein Praktikum machst, um sicherzugehen.
- Weniger als 5 Mal „Ja“: Vielleicht ist der Pflegeberuf nicht die ideale Wahl für dich. Überlege, ob du eine Tätigkeit im Gesundheitswesen findest, die besser zu deinen Stärken passt.
Tipp: Viele Pflegeeinrichtungen bieten Schnuppertage oder Praktika an. Falls du dir unsicher bist, probiere es einfach aus!
Warum sich der Quereinstieg lohnt
Die Pflegebranche bietet nicht nur Jobsicherheit, sondern auch tägliche Wertschätzung durch die Menschen, die Unterstützung brauchen. Natürlich ist die Arbeit fordernd, aber viele berichten, dass sie nirgendwo sonst eine so große persönliche Erfüllung erleben.
Wer also über einen Neuanfang nachdenkt, sollte sich trauen. Der Pflegeberuf braucht engagierte Menschen – und gerade Quereinsteiger bringen oft wertvolle Erfahrungen aus anderen Branchen mit.
Jetzt ist der perfekte Moment für den Wechsel in einen Beruf mit Zukunft!
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